Ostern und gleichzeitig das Ende der Saison (leider…)

Für Ostern hatte Michael, der Eigentümer des Boat Yards, ein großes BBQ Fest angekündigt mit Lamm am Spieß für alle Anwesenden, Musik und schön Feien. Michael hatte mich um Hilfe gebeten damit wir früh morgens das Lamm aufspießen und schön langsam grillen können. Ich hatte zugesagt das wir uns morgens um 08:00 treffen und mit den Vorbereitungen anfangen.

Mir ging es schon ca. eine Woche vorher nicht so gut. Ich fühlte mich schlapp, immer müde, hatte Schmerzen in den Waden und in den Kniegelenken und einen sehr hohen Ruhepuls. Manchmal habe ich Werte von 125 bis 128 Puls gemessen ohne was zu tun. Das kam mir sehr komisch vor. Ich las den Beipackzettel meiner Medikamente zum Blutdruck Senken und siehe da alles war als mögliche Nebenwirkung gelistet. Aber warum erst jetzt. Nun gut, hatte an Bord noch andere Medikamente und habe die genommen. Im Wesentlichen hat sich nicht viel geändert. Mein Blutdruck sinkt auf für mich unnormale Werte aber mein Puls bleibt verdammt hoch. Und dann kam Ostersonntag….

Früh morgens stand ich auf und ging mich Waschen und Rasieren denn wir gehen heute unter die Leute. Um 08:00 war noch keiner da also ging ich zurück auf mein Schiff und wollte dort warten. Um 08:20 klopft es am Rumpf, macht man so wenn man jemand aus dem Schiff rufen will, ich gehe raus. Julio der Nachbar von der „Nilio“ steht unten und sagt „Moin Andi. Hat keinen Sinn dahin zu gehen. Sind schon 4-5 andere Leute da die helfen“. Ich antwortete ihm das es Michael mehr um das Zusammensein geht und wir sollten schon hingehen. Er möge vorgehen, ich komme gleich nach. Ich gehe rein, stecke mein Handy in die Hosentasche, setzte mein Käppi auf und will runtergehen. Dabei merke ich mir wird schwindelig. Ich gehe sofort drei Schritte zurück und setzte mich auf die Einstiegskante unseres Steuerstandes. Als ich wieder zu mir komme liege ich rücklings im Steuerstand. Verdammt was war das? Ich war bewustlos. Ich versuche aufzustehen. Geht nicht! Ich kann mich kaum bewegen. Was ist los mit mir? Ich greife zum Handy und rufe Julio an. Leider nichts. Ich rufe Daniela an. Geht auch nicht ran. Na ja die Leute sind mit Vorbereitungen beschäfigt. Während ich so überlege wen ich noch anrufen könnte ruft Julio zurück. Ich sage ganz leise ins Telefon „Hilfe Julio“. Paar Sekunden später klettert Julio auf mein Schiff, sieht mich liegen und ruft Daniela sofort zu einen Krankenwagen zu holen. Mein Glück den wenn wir angerufen hätten hätte es eine Ewigkeit gedauert denen zu erklären worum es geht. Aber wenn ein Grieche anruft geht es ganz schnell. Minuten später war der Krankenwagen da. Kurze Untersuchung ob Schmezen in der Brust usw. und als sie den Sauerstoffgehalt im Blut messen beschließen sie mich sofort mitzunehmen. Ich kann noch alleine die Treppe vom Schiff runter gehen und dann klammere ich mich an einen Sanitäter den ich spüre schon wieder das Bewustsein zu verlieren. Auf die Trage und ab ins Klinikum nach Galatas. Hier erfolgen eingehende Untersuchungen, Blutwerte, Ultraschall, EKG, Abhorchen. Es behandeln mich zwei Ärzte, ein älterer und ein jüngerer. Der Alte hat mein Herz in Verdacht und will schon ein Katheter in die Leiste schieben, der junge ist dagegen. Während sie diskutieren merke ich das ich nichts mehr sehe. Das sage ich ihnen auch. Der junge Arzt kommt sofort zu mir und fuchtelt mit der Hand vor meinem Gesicht herum. Ich sage ihm das ich nur noch einen vagen Schatten seiner Hand sehe. Da sind sie aber hecktisch geworden. Sofort bekam ich ein haufen Pillen zu schluckern, es piekste links und rechts in den Armen und in den Bauch gab es auch Spritzen. Nach einigen Minuten wurde es besser. Ich merke sie bereiten mich für einen Transport vor und fragte danach. Ja, das Risiko sei zu groß, ich komme ins Krankenhaus nach Argos.

Der Weg nach Argos war die Hölle. Ein alter Krankenwagen mit Blattfederung über Schotterpisten! Ich dachte wenn ich nicht draufgehe dann habe ich bestimmt eine Gehirnerschütterung. Zwei Mal habe ich sie gebeten stehen zu bleiben denn ich konnte nicht mehr. Der junge Arzt hat mich begleitet und hat mir unterwegs einige Spritzen gegeben die mir das alles erträglicher gemacht haben. Irgenwann sind wir in Argos angekommen und ich wurde sofort, obwohl es Ostersonntag war, von einer Heerschar von Ärzten behandelt. Erneut Blutuntersuchungen, Röntgen, CT, Ultraschall, intensive Herzuntersuchung denn ich bin in der Kardiologie gelandet. Nachmittags um etwa fünf erscheinen zwei der jungen Ärzte die mich erneut eingehend untersuchen und sich viel Zeit nehmen mir zu erklären was passiert ist. Ich hatte eine beidseitige Lungenembolie und bin noch rechtzeitig bei ihnen angekommen. Rechtzeitig? Ja sagt einer, noch ein Paar Stunden und es wäre vorbei gewesen. Er teilte mir auch mit das mein Sohn mit ihm gesprochen hätte und meine Familie bereits auf dem Wege nach Griechenland sei. Hä? Was faselt der Mensch da? Ich war mir sicher das er mich verwechselt. Ich hatte vergessen das Julio mich gebeten hatte mein Handy zu entsperren und nach der Nummer meiner Frau gefragt hatte. Er hatte Conni über meinen Zustand informiert und damit alles in Bewegung gebracht.

Am gleichen Abend noch besuchte mich Michael und Daniela im Krankenhaus. Sie hatten nach der Osterfeier im Boatyard keine Ruhe gefunden und wollten sich von meinem Gesundheitszustand überzeugen. Fand ich sehr nett von Ihnen. Irgendwann bin ich eingeschafen. Um vier Uhr morgens ging die Tür des Zimmers erneut auf und drei Personen betraten das Zimmer. Ich hörte nur „Hallo Schatz“, „Hallo Papa wie geht´s dir?“. Sie waren alle drei da, meine Frau und meine Söhne, keine 12 Stunden nachdem sie mit dem Krankenhaus telefonisch gesprochen hatten und der Arzt sie über den Ernst der Lage informiert hatte. Jetzt konnte alles nur noch besser werden.

Meine Söhne am nächsten Morgen zum Besuch.

Nach der wilden Stecherei sah ich ziemlich übel aus aber ich war noch am Leben. Die Blessuren an Rippen, Rücken und Leiste lassen wir mal weg.

Aber die verschiedenen Behandlungen haben sehr gut angeschlagen.

Nachdem Hausarzt und Krankenkasse informiert wurden hat Conni beim ADAC angerufen um den Krankenrücktransport rechtzeitig anzumelden. Der ADAC hat sich mit dem Krankenhaus in Verbindung gesetzt und ich wurde schlagartig in ein Einzelzimmer verlegt. Mit eigener Toilette und Dusche. Ein Traum nachdem man eine Woche nur im Bett gelegen ist und schon juckende Pusteln auf dem Rücken hat. Endlich waschen. Der Arzt hat bei der nächsten Untersuchung die Pusteln auch gesehen und ich habe sofort eine Salbe dafür bekommen. Der Rückflug nach Deutschland wurde vom ADAC nahtlos organisiert: ich wurde mit dem Krankenwagen zum Flughafen Athen gebracht, einem deutschen Arzt übergeben der sich sehr umsichtig um alles gekümmert hat. Ich wurde als erster Passagier ins Flugzeug mit einem spezial Rollstuhl bis zu meinen Sitzen gebracht, den ich hatte drei Plätze um die Füße hochlegen zu können, in München wartete bereits ein Krankentransport auf mich. Der Arzt hat mich den Kollegen übergeben und um 17:04 stand der Krankenwagen in unserer Einfahrt zu Hause in Stöckach.

Sowohl die Ärzte im Klinikum Galatas als auch das junge Ärzteteam um dem hervorraganden Leiter der Kardiologieabteilung des Krankenhauses in Argos haben ganz ganz tolle Arbeit geleistet und ich habe ihnen sehr viel zu verdanken. Unter Umständen mein Leben…..

Lange Rede kurzer Sinn; ich bin seit dem 29.04.2025 wieder zu Hause und muß mich jetzt um viele Sachen kümmern. Die Saison 2025 ist vorab abgeschlossen.

Ich wünsche Euch allen viel Gesundheit und alles Gute meine Lieben.